Neue Solidarität Nr. 7 vom 17.2.2010

Banco Santander und die britischen Royals

 

Finanzkrise. Um die akute Krise in der EU zu verstehen, muß man vor allem auf Spanien blicken, dessen Verschuldung um das Vielfache höher ist als in Griechenland. Ganz im Mittelpunkt steht dabei die Banco Santander, jene spanische Großbank, die über ihre enge Verflechtung mit der Royal Bank of Scotland direkt ins oligarchische Machtzentrum in London reicht.

 

 

Wenn es um die „Hochfinanz“ geht, ist die Welt viel kleiner als man vermutet. Die meisten Leute stellen sich Banken wie Banco Santander als Einzelinstitute vor. In Wirklichkeit aber wird die Welt der Banken durch Geflechte von Finanzinstituten bestimmt, deren Verbindungen sich nur teilweise der Öffentlichkeit zeigen und oft dem Blick entzogen sind.

Die Banco Santander ist ein gutes Beispiel dafür, wie das oligarchische System funktioniert. Oberflächlich betrachtet handelt es sich um eine spanische Regionalbank, deren Gerissenheit sie in die Elite internationaler Finanzgeschäfte katapultiert hat; doch bei einem Blick hinter die Fassade wird sehr schnell das dunkle Herz des anglo-venezianischen Imperiums erkennbar. Hinter der Banco Santander stehen einige der mächtigsten - und kriminellsten - Kräfte der Welt.

Zieht man von der „Zwiebel“ Santander eine Schale nach der anderen ab, stößt man direkt auf die britische Monarchie, das Herzstück der „venezianischen“ Finanzwelt, und eine ganze Schar anderer abstoßender Elemente.

Versteckte Verbindungen

Die Banco Santander ist Mitglied eines europäischen Bankenkonsortiums, der Inter-Alpha Group. Die Gruppe bildete sich 1971 und besteht aus 11 Banken. Neben Santander ist das die Royal Bank of Scotland (RBS), die italienische Intesa Sanpaolo, Société Générale (Frankreich), die Commerzbank, die ING (Niederlande), die KBC (Belgien), Nordea (Schweden), die National Bank of Greece, Portugals Banco Espírito Santo (BES) und die AIB (Irland). Zusammen umfaßt der Geschäftsbereich der Inter-Alpha Group den größten Teil Europas, besonders auch im ehemaligen Sowjetblock, die Vereinigten Staaten und Iberoamerika.

Die Inter-Alpha-Gruppe ist nur Teil des Gesamtbildes, denn die wirkliche Macht liegt bei den Mächten hinter den Geldinstituten an sich und darin, wofür sie diese benutzen.

Die Macht hinter der Royal Bank of Scotland (RBS) ist die britische Monarchie. Zu den RBS-Ablegern gehört Coutts & Co., vielleicht die führende Privatbank der Welt. Coutts, die in ihrem Logo drei Kronen führt, bietet den Mitgliedern des britischen Königshauses, ausländischen Königshäusern und vielen prominenten imperialen Vertretern in der ganzen Welt diskrete Bankdienste.

RBS ist eines von zwei Unternehmen, die eine strategische Allianz mit der Banco Santander bilden. Das andere ist Assicurazioni Generali („Generali“), der venezianische Versicherungsriese, der wie eine Spinne im Zentrum des Netzes venezianischer Finanzinteressen sitzt. Der Vorstandschef von Generali, Antoine Bernheim, machte den Großteil seiner Karriere bei der einflußreichen Investmentbank Lazard. Bernheim ist bei zwei Mitgliedern der Inter-Alpha Group als Direktor tätig, bei Banco Santander und bei Intesa Sanpaolo, wo er auch stellvertretender Vorsitzender ist. Ana Patricia Botín, die bei JP Morgan das Bankhandwerk lernte, nun Mitglied des Vorstands von Banco Santander ist und den Vorsitz des Tochterunternehmens Banesto (Banco Espanol de Crédito) innehat, ist Direktorin bei Generali. José Maria Amusátegui, ehemaliger Mitpräsident der Banco Santander, sitzt im Generalrat von Generali, und beide Firmen sind über ihr Kapital miteinander verflochten.

Die strategische Beziehung zwischen RBS und Banco Santander zeigte sich auch bei ihrer gemeinsamen Bewerbung - zusammen mit dem belgisch-holländischen Finanzinstitut Fortis - um die Übernahme des holländischen Bankenriesen ABN Amro im Jahr 2007. Mit Unterstützung einiger Hedgefonds vereitelten die drei Banken einen Deal zwischen Barclays und ABN Amro und erwarben die Bank für sich selbst.

Man muß sich die Banco Santander und die gesamte Inter-Alpha-Gruppe als ein Werkzeug in Händen der britischen Krone und der Venezianer vorstellen. Für sie sind solche eng verzahnten Netzwerke ein Schlüsselelement, um ihre weltweite Macht auszuüben. Die Zahl der Länder, in der diese Banken agieren, ist schlicht zu groß, um sie hier aufzuzählen, doch sie umfaßt alle größeren Nationen der Welt, von West- und Osteuropa bis zu den BRIC-Nationen Brasilien, Rußland, Indien und China über Nord- und Südamerika bis zu Asien und Afrika. Ob Finanzzentren und Steueroasen, ob Nationen, die sie schon in der Tasche haben, oder andere, wo sie dies noch anstreben, überall sind diese Banken und andere von ihrer Sorte aktiv.

Verbindung zu Goldman Sachs

In den Vereinigten Staaten spielt RBS eine Rolle durch den Besitz von Citizens Financial Group - eine der 20 größten Bankenholdings - und Greenwich Capital Markets. Doch RBS hat auch eine direkte Beziehung zu Goldman Sachs. Vor der Übernahme von RBS durch den britischen Staat im Jahr 2008 war Peter Sutherland, Chef von Goldman Sachs International, des Londoner Arms von Goldman Sachs, einer der Leiter der Bank. Sutherland ist auch Vorsitzender des britischen Ölriesen BP und der London School of Economics. Auch sitzt er im Vorstand von Prinz Philips Bilderbergergruppe und ist europäischer Vorsitzender der Trilateralen Kommission. Karriere machte Sutherland mit seinem Engagement für die Globalisierung als Generaldirektor des Weltfreihandelsabkommens GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) und dessen Nachfolger, der Welthandelsorganisation (WTO). Diese Verbindungen werfen ein interessantes Licht auf die finanziellen und politischen Aktivitäten von Goldman Sachs, den „Vampirtintenfisch“, dessen Vorstandsvorsitzender behauptet, die „Arbeit Gottes“ zu verrichten.

Die Intesa Sanpaolo zählt zu ihren Vorläufern die Banca Commerciale Italiana (BCI), die Bank, in der die berüchtigte Freimaurerloge P-2 entstand. In den 70er Jahren war BCI auch Besitzer eines beträchtlichen Anteils von Lehman Brothers. Zwischen Lehman und Generali gab es eine Kapitalverflechtung, die auf die 50er Jahre zurückgeht, wobei auch Lazard mit von der Partie war. Die Intesa Sanpaolo ist nach eigener Aussage die Nummer Eins in Serbien, Nummer Zwei in Albanien, Kroatien, Ungarn und der Slowakei, Nummer Fünf in Bosnien und Herzegowina und Nummer Sechs in Ägypten.

Als die BCI in Lehman Brothers investierte, war Peter Peterson Chef von Lehman, der Mann, der später den „Pirate-Equity“-Giganten Blackstone Group gründete. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, den Bailout der US-Großbanken und den jetzigen faschistischen Austeritätskurs in den USA einzuleiten. Blackstones Anteil an Generali beträgt knapp 3%, eine Beziehung, die wir erwähnen, um die Herkunft eines beträchtlichen Teils der Finanzquellen von Blackstone anzudeuten. Es legt auch nahe, woher Peterson seine politische Inspiration bekommt - gehörte doch Generali zu den Schöpfern von Benito Mussolinis korporatistischem Faschismus.

John Hoefle